Anton Pannekoek
Denker der Revolution

Cajo Brendel  -  2001


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Vorbemerkung
Einführung
Pannekoeks Methode
Pannekoek und die holländische Sozialdemokratie
Der Parlamentarismus
Die Bedeutung des selbständigen Handelns der Arbeiter
Pannekoeks Kritik der Gewerkschaftsbewegung
Die Kritik der Dritten Internationale an Pannekoeks Auffassungen 
über Parlamentarismus und Gewerkschaften

Pannekoeks Analyse der Russischen Revolution
Der bürgerliche Materialismus in Lenins Theorie
Schlußfolgerungen zur Organisationsfrage
Kritik der Sozialisierung, des Staatssozialismus und der Arbeiterkontrolle
Pannekoek und Rosa Luxemburg über den Imperialismus
Betrachtungen über die Entstehung des Menschen und der Einfluß Josef Dietzgens
Die Arbeiterräte
Schluß


 

Vorbemerkung

Die nachstehenden Seiten wurden vor etwa 30 Jahre in holländischer Sprache niedergeschrie-ben. Kaum ein Jahr später habe ich den Text ins Deutsche übersetzt. Der große Abstand zwi-schen der damaligen holländischen Veröffentlichung und der jetzigen deutschen Ausgabe hat es selbstverständlich notwendig gemacht, hier und da einiges der heutigen Situation anzupas-sen. Es kommt noch hinzu, daß ich für die deutschen Leser die historischen Beispiele, die mei-ne Darlegungen erläutern, aus der deutschen Geschichte gewählt habe.

Wer heute die Arbeiterbewegung, die Bewegung der Arbeiter und den Klassenkampf mit Auf-merksamkeit verfolgt, wird mühelos bemerken, wie aktuell die Auffassungen und Darlegungen des vor vierzig Jahre gestorbenen Anton Pannekoek geblieben sind. Als Anfang der zwanziger Jahre die Kommune von Kronstadt sich dem bolschewistischen Staat widersetzte, begann nicht nur in Rußland, sondern auch in anderen Ländern eine Kritik des Bolschewismus und Leninis-mus, die zu einer ganz neuen Bewegung führte, die mehr oder weniger von dem deutschen Sozialisten Otto Rühle im Gang gesetzt wurde. In Deutschland entstand die Kommunistische Arbeiter Partei Deutschlands (KAPD), in Holland die Kommunistische Arbeiter Partei Hol-lands (KAPN). Zu deren Wortführern gehörten insbesondere Anton Pannekoek und Herman Gorter. Diese Parteien verschwanden Anfang der dreißiger Jahren von der politischen Bühne. Pannekoek und seine Genossen betrachteten sie nicht mehr als die richtige Organisationsform der Arbeiterklasse.

Pannekoek vor allem hat diese Bewegung, welche bald als Rätekommunismus bezeichnet wur-de, am weitesten entwickelt, und daher wird seine Bedeutung bis heute von fast keinem Linken bezweifelt.
Im Gegensatz zu jenen, die unentwegt und um jeden Preis an überkommenen Auffassungen festhalten, hat Pannekoek sich als revolutionärer Denker erwiesen, der den Marxismus zurecht als Methode des Verständnis einer Gesellschaft verstand, die sich beständig entwickelt. Panne-koeks Rätekommunismus – das heißt also der Rätekommunismus der Gegenwart – ist nicht in jeder Hinsicht der Rätekommunismus, wie er sich Anfang der zwanziger Jahre zeigte.

In diesem Buch beschreibe ich, wie die naturwissenschaftlichen Studien des jungen Pannekoek dazu beigetragen haben, ihm das Verständnis des Marxismus zu erwerben; darüber hinaus werden seine Entwicklung im einzelnen sowie seine späteren philosophischen Auffassungen behandelt. Pannekoek kritisiert das leninistische Organisationsmodell vor dem Hintergrund der russischen Gesellschaft. Über die entwickelten kapitalistischen Länder sagt Pannekoek, daß der Klassenkampf nur von den Arbeiterräten geführt werden kann. Was er dabei hervorhebt, sind die sogenannten „wilden“, von der Gewerkschaftsbewegung nicht in Bewegung gesetzten oder unterstützten Streiks; der spontane Widerstand der Arbeiter tritt dabei immer stärker auf die historische Bühne. Ihre Streikkomitees unterscheiden sich nicht wesentlich von den Arbeiterräten.

Es bleibt mir noch, mich bei meinem Freund Said zu bedanken, der mir bei der Neubearbeitung des Buches in vieler Hinsicht sehr geholfen hat.

Cajo Brendel
Amersfoort, Holland, im Frühling 2001

 


Cajo Brendel: Anton Pannekoek  -  Denker der Revolution
© ça ira - Verlag Freiburg 2001
ISBN: 3-924627-75-4
www.isf-freiburg.org

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